Ludwig Wittgensteins Philosophie ist über weite Strecken ein Rückzug auf das Innere der Sprache – auf die logische Struktur derselben. Einerseits um offenzulegen, wie die Welt vom Standpunkt der Logik aus beschaffen ist und andererseits um das, was sinnvoll gesagt werden kann, von dem abzugrenzen, worüber man nicht sprechen kann, oder anders gesagt: um zwischen dem Reich der Naturwissenschaften und dem Reich der Metaphysik und der Ethik ein für alle Mal eine Grenze zu ziehen.
Vom logischen Raum, dem Raum aller logisch möglichen Welten, d. h. aller möglichen Sachverhalte, die logisch voneinander unabhängig sind, ausgehend, gelangt Wittgenstein zur wirklichen Welt, der Gesamtheit der Tatsachen, zu demjenigen, was der Fall ist.
Die Tatsachen sind es, die wir vermittelst unserer Sprache allein in den Griff zu bekommen vermögen. Die ontologische Annahme einer Isomorphie von Sprache und Welt offenbart sich in der Strukturgleichheit zwischen Dingen, Eigenschaften und Relationen, deren Wesen es ist, in Sachverhalten vorzukommen, und sprachlichen Gebilden wie Namen und Prädikaten.
So werden die sprachlichen Gebilde, die wir Aussagen nennen, und womit wir die Welt beschreiben, zu Bildern dieser Welt. Doch wie wissen wir um die Richtigkeit der Bilder, darum, ob sie sinnvoll sind, also in der Tat abbilden, was der Fall ist? Einzig dadurch, dass wir sie auf empirischem Weg mit der Welt vergleichen, enthalten sie doch nichts, wodurch ihre Richtigkeit a priori festzustellen wäre. So müssen aber zugleich alle Aussagen, die nicht mit dem verglichen werden können, worüber sie etwas aussagen, von vornherein unsinnig sein.
Erst jetzt kommt eine Welt in den Blick, die von ganz anderer Art ist als die Welt der Tatsachen und der Sachverhalte. Wird das Reich all dessen, was sinnvoll gesagt werden kann, transzendiert, so muss, weil nun nichts mehr gesagt werden kann, alles Geschwafel verstummen.
Was jetzt zum Vorschein kommt, ist das Metaphysische, das Ethische. Wer die Welt so sieht, der sieht sich richtig, und wer sie richtig sieht, dem offenbart sich der Raum für das Wesentliche – der vermag damit zu beginnen, zu einem guten Menschen zu werden; nicht bloß zu einem relativ guten, sondern zu einem absolut guten Menschen.
So ist also die Logik vielmehr noch die Philosophie überhaupt nur eine Leiter, die es emporzusteigen gilt, und die derjenige, der sie emporstieg, getrost wegwerfen kann. Das Reich, das er nun betritt, ist das Reich des Mystischen und Sprache und Philosophie sind obsolet, denn das Mystische zeigt sich. Mit dem Gruß der Philosophen, wie Wittgenstein zu sagen pflegte: Lass dir Zeit.