Der Philosoph Tim Crane argumentiert in Anlehnung an "The Concept of Mind" von Gilbert Ryle, dass der Begriff der Intelligenz ein normativer Begriff sei: "Wir benutzen ihn, um die Ausübung spezifischer Fähigkeiten zu bewerten wie etwa Rechnen oder Fußballspielen, doch er bezeichne keine psychologische Realität, die darüber hinaus ginge."
Wenn Crane recht hat, wenn also der Begriff der Intelligenz kein real-ontologischer Begriff ist, also kein Begriff, der seine Bedeutung unmittelbar vom Seienden her bezieht, sondern in der Tat ein Normbegriff, dann wird er, was seine Anwendung auf Artefakte betrifft, grundlegend falsch verwendet: Einerseits deshalb, weil der Begriffsumfang, d. h. die Menge aller Entitäten, die er sinnvollerweise zu bezeichnen vermag, von vornherein auf unseren eigenen Fall eingeschränkt ist. Die Norm(en), die er ausdrückt, sind ja solche, die der Beobachtung dieses Falls entlehnt wurden. Und andererseits deshalb, weil er aus demselben Grund nicht auszudrücken vermag, was er bisweilen ausdrücken soll – eine vergleichende Relation zwischen Maschinen und Menschen
Um die Auswirkungen von KI auf die menschliche Lebensrealität seriös einschätzen zu können, sinnvoll über KI diskutieren und einen hinreichend starken Rechtsrahmen entwickeln zu können, müssen wir uns also um einen Intelligenzbegriff bemühen, der den Maschinen, über die wir sprechen wollen, angemessenen ist.
Wir müssen darüber Klarheit bekommen, was im Begriff der (künstlichen) Intelligenz eigentlich gesucht wird; klarstellen, um welche Fähigkeiten von Maschinen es sich dabei handelt und in welcher Hinsicht sie korrekt eingesetzt sind.
Wir wollen dabei insbesondere in einer philosophischen Aufklärung des Intelligenzbegriffs nicht alles hinnehmen, was als »Intelligenz« auftritt, und wir wollen nicht alles gelten lassen, was bloß den Anspruch erhebt, intelligent zu sein. Wir wollen vielmehr zwischen unhaltbaren und gerechtfertigten Ansprüchen unterscheiden können.
Intelligenz als ein kognitives Verfahren offenbart sich, unserem eigenen Fall nach, im zielgeleiteten Handeln – es mag ein geistiges oder auch empirisches Handeln sein – und wir müssen herausfinden, was genau das im Fall von Artefakten bedeutet, und ob es überhaupt etwas bedeutet, oder ob es nicht vielmehr angezeigt ist, zu einer ganz neuen normativen Bestimmung des Begriffs der Intelligenz zu kommen.
In unserem neuen Format "Vom Zustand der Welt" werden wir Anfang 2027 vor der beeindruckenden Kulisse des Grundlsees im steirischen Salzkammergut darüber diskutieren. Details zur Veranstaltung ☛☛